Heute kennen die meisten die Gänse im Zusammenhang der Rede von den dummen Gänsen, - eine irrige Feststellung, die an der Wirklichkeit vorbeigeht. Weder sind die Gänse dumm, noch haben sie in der geschichtlichen Tradition eine untergeordnete Rolle gespielt. In römischen Zeiten war sie das Begleiter des Kriegsgottes Mars. Gänse sollen die Stadt Rom durch ihre Aufmerksamkeit und warnendes Geschrei vor einem feindlichen Überfall bewahrt haben. Im germanischen Denken war die Gans Symboltier Wotans, Opfertier und Verkörperung des Vegetationsgeistes. Wer rituell eine Gans verspeiste, hatte Anteil an der Kraft des Vegetationsgeistes. Für Köln wird aus dem 16. Jahrhundert berichtet: Der Martinsabend war von jeher zu einem Festschmaus bestimmt. Das war auch seit alters in Köln so. Die Tafel schmückte als Hauptgericht die Martinsgans, knusprig gebraten und mit Äpfeln, Rosinen und Kastanien gefüllt.
© Prof. Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln
